Erleben und leben. In Beziehung? (009)

Ich bin gerade über den folgenden Text gestolpert. Geschrieben hatte ich ihn im Juli 2013 im Zuge der Reflexion meiner partnerschaftlichen Beziehung sowie derer und meiner persönlichen Entwicklung und was Beziehung und Interaktion wirklich ist. Was ist Entwicklung in einer Beziehung und was sind Limitierungen und Hindernisse darin? Wer oder was verhindert die Entwicklung sowohl für die Beziehung an sich und die darin involvierten Personen?


18. Juli 2013:

Erleben und leben wäre mich frei zu bewegen, tanzen gehen, auf Menschen offen zuzugehen, nicht eingeengt zu fühlen. In Beziehung darf ich nicht leben, es wird sofort bewertet. Es wird immer ein „aneinander kleben“ vorausgesetzt. Wenn beide Personen als ein ganzer Kreis dargestellt werden ist die „Gemeinsamkeit“ eine Schnittmenge. Innerhalb dieser „Schnittmenge“ darf ich mich bewegen, wenn der andere mitgenommen wird, außerhalb darf ich nicht sein wie ich bin. Meine Aufmerksamkeit muss immer darauf achten, dass die andere Person nicht „beleidigt“ wird. Das ist aber im Grunde nicht mein Job. Dann möchte ich lieber auf die Beziehung verzichten, sie ist nicht fördernd, nicht weiterbringend im Gegenteil, sie ist einschränkend, limitierend, am Wachstum hinderlich. Wie kann ich von „erleben“ und leben sprechen, wenn ich im gleichen Moment eingeschränkt werde? Dinge nicht machen darf? D.h. nicht ausweiten, eine Erfahrung nicht machen dürfen. Eine wahre Beziehung für mich bedeutet alles gleichberechtigt ausleben zu dürfen, keine einzige subtile Einschränkung körperlich zu spüren und dieses ausgelebte, erfahrene offen mitzuteilen. Einen Zuhörer zu haben, der nicht wertet und sich an der Freude der gemachten Erfahrung des anderen mitfreut. In der Regel ist das nicht möglich, weil der andere durch seine eigenen mentalen Programme sich selbst einschränkt, nicht in der Lage ist das Erleben des anderen als dessen Erleben zu sehen, sondern erst durch sein Wertesystem, seine Einstellung laufen lässt und dann nur seine Reaktion darauf erlebt und sich dessen nicht bewusst ist. Er reagiert nicht auf das was der andere mitteilt, sondern auf das, was er über das mitgeteilte denkt. Das hat nichts aber auch gar nichts mit dem zu tun, was mitgeteilt wurde. Die Mitteilung, die Kommunikation ist nicht angekommen.

Warum fühlt sich der andere benachteiligt, versetzt, nicht angenommen, wenn ich mein Leben lebe und Erfahrungen mache? Es ist seine Einstellung einer Sache gegenüber, eine Unfähigkeit in dem Moment frei zu sein. Er erkennt nicht die wahre Ursache für seine Reaktion. Die Reaktion hat nie etwas mit mir persönlich zu tun, er würde immer so reagieren, egal welche Person das Verhalten an den Tag legen würde. Die Reaktion des anderen wäre immer gleich. Er würde sich „bedroht“ fühlen. Die Reaktion liegt in einer Erfahrung und daraus gezogenen Entscheidung in der Vergangenheit. Es ist in der Regel unbewusst. Wenn der andere frei von seiner Reaktion werden möchte, muss er sich entweder der Situation aus der Vergangenheit bewusst werden, und sie auf der Ebene auf der diese Entscheidung getroffen wurde auflösen oder anders verändern.

Ist solch eine Beziehung nur in „Freundschaft“ möglich? Freies erleben und mitteilen? – Selbst in sogenannten „Freundschaften“ ist das kaum möglich. Die meisten Menschen können nicht einmal solch eine offene Beziehung zu sich selbst haben. Hier liegt die Ursache. Kaum jemand kann und nimmt sich vollständig an. Wie soll dann jemand anderes vollständig angenommen werden? Der erste Schritt ist absolute Selbstannahme und Selbsterkenntnis.

 

Es bedarf zweier sehr geklärter und mit sich im Reine seiende Menschen um diese Form von Beziehung, Kommunikation und Interaktion führen zu können… und es ist möglich.

 

An welcher Stelle stehst Du mit deiner Klarheit, dir selbst gegenüber und in Beziehung?

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