Aus Wahrheit heraus leben (001)

Jeder schätzt Wahrheit. Doch die wenigsten kommen immer aus ihr. Wie oft kommt es vor, dass ich anderen etwas vor mache, wie oft verdrehe ich etwas, lasse eine Kleinigkeit weg oder fügen etwas hinzu, schiebe es in ein anderes Licht? Vor allem warum mache ich es? In der Regel um besser da zu stehen, nicht an meinem Selbstbild kritisiert zu werden, um mit weisser Weste nach außen hin dazustehen oder, beziehungsweise ganz besonders, um nicht bestraft zu werden. Doch wie weiss ist die Weste innen?

Noch viel wichtiger ist die Frage, wie oft verdrehe ich Tatsachen vor mir selbst? Wie oft stelle ich Dinge mir selbst gegenüber in ein anderes Licht, in dem ich einfach eine Sichtweise veränder, so das ich selbst wieder gut da stehe? Ich lade jeden dazu ein für eine längere Zeit darauf zu achten.

Es ist erstaunlich, wie oft ich dies beobachten konnte, wenn ich wirklich vornahm darauf zu achten und mir selbst gegenüber ehrlich war und der Wahrheit nachging. Für mich sind diese Fälle heute weniger geworden, weil ich versuche meine Wahrheit zu leben und mitzuteilen.

Doch vorab die Frage: „Was ist eigentlich Wahrheit?“. Ist Wahrheit absolut? Nein – und Ja! Der Inhalt ist nie absolut wahr und doch ist Wahrheit für sich selbst absolut. Was heißt das? Jeder hat seine eigene Wahrheit, seine eigene Geschichte, seine eigene Ansicht, die für ihn wahr ist. Es muß nicht die Wahrheit des Anderen sein und doch haben Beide eine Wahrheit. Haben zum Beispiel zwei Kulturen völlig verschiedene Weltbilder und begegnen sich das erste Mal, so hält jede Kultur ihr Weltbild für richtig und wahr. Oder nehmen wir Ideoligien beziehungsweise Religionen. Hier kann es passieren, dass an einem Bild, das für wahr gehalten wird, mit dem man identifiziert ist, so sehr verteidigt wird, dass deswegen Konflikte oder Kriege geführt werden. Lediglich wegen einer anderen Vorstellung, wegen einer Idee, wegen einem geistigen Kunstrukt. Es ist wichtig sich dies auf tiefer Ebene zu vergegenwärtigen, diese absolute Dummheit zu erkennen um die darin liegende Erkenntnis zu erlangen. Diese Erkenntnis läßt ein Öffnen dem Anderen gegenüber zu, es ermöglicht ein miteinander.

Aber was ist nun Wahrheit? Sie ist vielmehr ein Gefühl als Inhalt. Achte darauf, wie fühlt sich Wahrheit an? Wie fühlt es sich an, wenn Du für dich deine tiefste Wahrheit mitteilst, deine tiefste Überzeugung, ohne irgendetwas daran zu ändern? Und wie fühlt es sich an, wenn Du bemerkst, dass du etwas von Wahrheit wegläßt, etwas hinzufügst oder veränderst um besser da zu stehen oder etwas zu verheimlichen? Es reicht schon eine Kleinigkeit und dein Gefühl wird sich verändern. Mit etwas Übung kannst du feststellen, dass es noch viel mehr mit dir macht.

Ich habe diese Erkenntnis in einer intensiven Kontemplationsperiode gehabt:

„Truth is whatever is true for you – get a feeling for true.“
„Wahrheit ist, was immer für dich wahr ist – entwickel ein Gefühl für wahr.“

Ich versuche dieses Gefühl als eine Art Kompass zu nutzen, aus meiner Wahrheit heraus zu leben. Jedoch nicht an ihrem Inhalt festzuhalten, sondern den Inhalt zu hinterfragen. Worauf basiert der Inhalt, welche Erfahrungen, Ansichten, Annahmen und Werte stehen dahinter? Was ist davon lediglich Hörensagen, Glaube oder selbst Erfahrenes?

Ich finde es erstaunlich, dass ich lange Zeit, von meiner Kindheit bis zum hohen Jugendalter aus dieser Position heraus gelebt habe, erst durch Verletzung habe ich sie aufgegeben und viele Jahre später in Kontemplation neu und bewusst erfahren.

Das hier präsentierte ist für mich wahr und erzeugt in mir ein Gefühl von Wahrheit. Ich möchte diese Wahrheit niemanden aufdrängen, sie sollte selbst Erfahren werden bevor sie angenommen wird. Es soll nicht ein Glaubenssatz gegen ein anderen getauscht werden, Glaubenssätze sollten durch eigene Erfahrung ersetzt werden.

Wahrheit ist ein Gefühl von Resonanz!

(Wahrheit ist Integrität des Selbst als Eins.)

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